Southern 100 – Teil 3

Ich bin diese ganze Woche in Ballabeg, Isle of Man,  am “Ballabeg Hairpin” als Marshal eingesetzt.

Ein „Marshal“ ist die Bezeichnung für einen Streckenposten mit Polizei Rechten, ab dem Moment in dem die Straße die den Rennkurs darstellt gesperrt wurde. Also ein Streckenposten mit „Authority“.

In Ballabeg macht der Billown Racecourse eine scharfe 130 Grad Rechtskurve. Daher auch der Name „Ballabeg Hairpin“, Alpin Erfahrene Biker würden eher sagen: “na ist ‘ne schärfere Kurve, aber kein Hairpin”, eben weil nicht 180 Grad. Lassen wir aber diese Kleinigkeiten außen vor..

Es ist eine sehr schöne enge Kurve und die Maschinen müssen hier relative langsam. Das ist eine der Kurven wo es  eher auf die Fahrtechnik ankommt, anstelle von reine Lebensverweigerung um durch den Knick zu kommen. Alle “Unfälle” dort waren bisher eher im Bereich, “Komm Buddy ich helfe Dir auf, wir besorgen Dir einen Tee und dann ist alles wieder gut”. Solange ich bisher dort war haben sich alle “Versorgungsfälle” eher darum gedreht und das “umgefallene” Motorrad aufzuheben und aus der Einflugschneise zu entfernen. Bisher also.

IMC – „Incident Management Course“ Wissen gleich mal genutzt.

Was war passiert?  Ich habe doch am Montag an dem IMC teilgenommen und dabei gelernt, wie man einen verunglückten Gespannfahrer aus seinem Fahrzeug befreit (sie dazu auch den vorherigen Blog Beitrag).

Den ganzen Mittwoch sind die Gespannfahrer schon so unterwegs gewesen, als wenn irgendwas passieren würde. Ein kleinerer Unfall ist auch in dem nach uns folgenden Abschnitt Richtung “Four Ways” passiert, aber die Fahrer sind mit der vor Ort Erst-Versorgung ausreichend behandelt worden. Also alles gut.

Am Mittwochabend hat es auf einmal bei uns am Hairpin gekracht. 2 Seitenwagen waren in der Anfahrt auf den Hairpin miteinander Kollidiert und haben sich gegenseitig ins AUS geschossen. Nur an der Stelle gibt es kein AUS, sondern nur eine Hauswand und 2 Windfang Vorbauten (siehe die Bilder einmal mit und einmal ohne Windfang).

Den haben die zwei Gespanne dann auch gleich mal beim Einschlag zerstört, eines der Gespanne ist auch noch Kopfüber auf dem anderen gelandet. Ich hatte den Unfall gar nicht gesehen, sondern mich gerade auf die Zuschauer konzentriert um sicherzustellen das dort alles in Ordnung ist.

Plötzlich geht die Trillerpfeife vom kommandierenden Posten los und sie Ruft:  “RED FLAG – RED FLAG – RED FLAG!!!”, der Radio Operator drückt am Tetra-Radio sofort die Emergency Taste und die Flaggenposten schwenken ihre Fahnen. Der Rest der Truppe schnappt sich die Ausrüstung und macht sich auf den Weg zur Unfallstelle, ungefähr 30 m die Strasse runter. Die Sanitäter rufen schon eine weitere Ambulanz, weil es bei 2 Gespannen eben 4 Personen sind die verletzt sein können.

Mein Job ist “Second Bike”, da aber das zweite Gespann unter dem Ersten lag musste erstmal dieses Entfernt werden und ich habe mich um Feuerlöscher , Öl-Bindemittel und “Crowd – Control” gekümmert. Es waren eh schon 10-15 Marshal’s und Sanitäter an den zwei Gespannen, da brauchte man nicht noch verrückte Zuschauer die wild rum rennend Bilder oder Videos machen.

Im Sekundentakt sind dann 2 weitere Ambulanzen angekommen, der Notarzt war auch sofort da und alles ging seinen “normalen” Gang der Rettungsmaßnahmen. Vorweggenommen, keiner der Beteiligten hatte schwere Verletzungen. 

Es hat sich gezeigt das viele gelernte (antrainierten) Tätigkeiten geholfen haben diesen Einsatz (klarerweise) hektisch aber doch Ziel geführt abzuwickeln. Alle zusammen haben es geschafft innerhalb von knapp 3 Minuten die 4 Seitenwagen Insassen zu Bergen und mit der Erstversorgung anzufangen, den Hubschrauber zum Transport eines Fahrers (war nicht schwer Verletzt, konnte man zu dem Moment aber nicht Wissen) anzufordern und die Landefläche von Zuschauern zu befreien, die austretenden Motorflüssigkeiten mit Bindemittel zu kontrollieren und nach dem Abtransport der Beteiligten mit den ersten Aufräumungsarbeiten anzufangen.

So geht TEAMARBEIT und ich war ein Teil davon. Das “Hot-Debriefing” mit den Medizinischen Betreuern und der Polizei hat gezeigt, das alle sicher waren was Ihre Aufgabe in dem Szenario ist und  alle haben hervorragende Arbeit geleistet. So muss da gehen.

Beide Fahrer sind am Tag nach dem Unfall aus dem Krankenhaus entlassen worden und angeblich war die Fahrerin des einen Gespanns  auch am Donnerstag in der Renn-Pause am Hairpin und hat sich bei allen Beteiligten persönlich Bedankt. Nur nicht bei mir, lach, ich hab auf der Wiese (andere Seite der Strasse) gelegen und hab gepennt. 

Donnerstag ist dann nur ein, zweimal ein kleiner Ausrutscher passiert der aber mit Aufheben des Bikes und Abtransport in die Sicherheitszone erledigt waren. Die Rennen am Donnerstagnachmittag waren die Spannendsten die ich dort je Erlebt habe. Ganz große Klasse bei den 1.000er und auch bei den 600er und auch die Gespanne haben ein wunderschönes und spannendes Rennen geliefert. So macht Straßenrennsport wirklich grenzenlosen Spaß. 


Wenn es sich Einrichten lässt, werde ich auch 2020 wieder als Marshal daran teilnehmen. Sogar an der gleichen Stelle, denn das Team ist einfach “The Bomb”.

#S100 #BallabegHairpin # Southern100 #Sidecar #Marshal

Ich bin wieder zurück auf der „Silly Moos Campsite“ und habe heute erstmals meine „Hausmännischen Aufgaben“ getätigt.Mit anderen Worten bin ich mit dem Bus zum „Coin-Wash“ in Ramsey gefahren und habe meine Sachen gewaschen. Morgen versuche ich mir einen Teil der Britischen TRIAL Meisterschaften anzusehen. Dazu dann mehr in Teil – 4 

Joerg Wenzel – Blog-ender Motorrad Enthusiast – aus München – schreibt http://www.WhyAskWhy.de

Southern 100 – Teil 2

Mein „Arbeitstag“ auf der IoM fängt immer erst am späten Nachmittag an, weil die „Practice Sessions“ von 18:xx bis 21:xx sind, je nachdem ob es eine Verzögerung gibt, so wie gestern,oder ob alles nach Plan läuft. Ich muss sagen der „Southern 100 Club“ hat ein Schedule, das sehr sehr ENG ist. Und es wird von Montag und Dienstag Abends werden für die verschiedenen Klassen ein nach der andere Trainings-Session durchgeführt. 250/600/1000/SideCar, hier fahren 6 oder mehr verschiedene Klassen, teilweise zusammen, außer den Sidecars (Motorräder mit Seitenwagen). Eine geniale Mischung.  Da wird es nie Langweilig. Aber eigentlich wollte ich etwas zu dem Bild hier schreiben. 

Kawasaki GPz 900 RR

Mein erstes “Superbike”, mit dem ersten Rahmen der (fast) nicht mehr gewackelt hat. Jeder der in den 70er und 80er Jahren ein Motorrad gefahren ist, weiss wovon ich Spreche. Ich hatte eine Honda CX 500 mit damals 48 PS (wegen der Versicherung) und einem Rohrrahmen. Der hat schon geschlabbert wenn das Motorrad noch auf dem Seitenständer stand. Vor allen Dingen sind die Plastik-Schwingenlager nach mehr als 120.000 km jenseits von Gut & Böse gewesen. Und dann kam die Kawasaki, was für ein geiles Motorrad. Diamond Frame, mit fetten Aluminiumplatten, einem (na ja so la la) funktionierendem Anti-Dive System. Wassergekühlter Motor mit mehr als 115 PS, was für eine geniale Maschine. Und gestern habe ich wieder eine hier auf der Insel gesehen. Da musste ich erstmal ein Foto machen und gestern Abend nach dem Rennen habe ich noch den Besitzer getroffen, der zufällig am “Ballabeg Hairpin” der Practice Session zugeschaut hat. War ein sehr interessantes Gespräch. Er ist der 1. Besitzer der Kawa und hat sie für mehrere Jahre (Familie und so) in der Garage stehen gehabt und erst kürzlich wieder Restauriert. Schade das da eine 4-1 Anlage dran gekommen ist, aber der Sound war schon nicht schlecht, lach. Tja das wäre in Deutschland so nicht durch den TÜV gekommen, grins.

Ballabeg Hairpin, mein “Arbeitsplatz” nicht nur für die Practice Montag und Dienstag, sondern auch am Mittwochabend für die dann stattfindenden Rennen und am Donnerstag den ganzen Tag für die Rennen die Vormittags und Nachmittags geplant sind. Wenn ich mir die Wetterlage ansehe, könnte es wirklich “Dry&Warm” werden. Ich halte jedenfalls beide Daumen gedrückt das wir gutes Wetter haben werden. Am Ende kann ich es aber nicht ändern und hier bei der Southern 100 wird sowieso gefahren, da gibt es keine Einschränkung. Regenreifen drauf geschraubt und los geht es. Der Hubschrauber kann hier immer Fliegen und wie ich dem neuen IMC (Incident Management Course) am Montag gelernt habe, dauert es maximal 2 Minuten bis an wirklich jeder Stelle der Rennstrecke ein Rettungswagen/Notfall Doktor eintrifft. Normalerweise geht das noch schneller, weil die Rettungskräfte an den neuralgischen Punkten der Rennstrecke bereit stehen.

Hab ich was neues Gelernt beim IMC des Southern 100 Clubs ? Klar, lach. Mir war die Procedure nicht klar wie man einen Fahrer aus einem Sidecar herausbekommt, also ohne weitere Verletzungen hinzuzufügen. Der kann ja nicht einfach so aufstehen. Die Geräte sind mittlerweile an der Motortechnisch möglichen Grenze angekommen. Da gibt es keine besonderen Vorteile mehr ob man jetzt einen 600er Suzuki/Yamaha/Honda Motor fährt. Die haben alle mehr oder weniger die gleichen PS, das Drehmoment ist auch in ähnlichen Bereichen. Der einzige Vorteil den man sich noch verschaffen kann ist durch Aerodynamic. Das heißt aber der Fahrer und der Beifahrer sitzen in oder unter/hinter einer mehr oder weniger engen Verkleidung. 

Gestern konnte ich 1. Hand sehen wie schwierig es für den Fahrer ist, einfach nur aus dem Gespann Motorrad auszusteigen, genau AUS dem Motorrad. Der Fahrer ist mehr oder weniger komplett eingekapselt und hat z.B. seine Beine in Schächten nach hinten um dort die Schaltung und die Bremse zu benutzen. Wenn man sich jetzt vorstellt, das der Fahrer nicht mehr selber aussteigen kann, ist es für die Marshal’s ein 5 Mann Job um den Fahrer aus dem Sidecar Motorrad korrekt aus dem Bike zu bekommen. Das müsst eigentlich viel öfters geübt werden, aber das geht leider so auch nicht. Deswegen gehe ich eben jedes Jahr zu einem IMC (Incident Management Course) und bisher habe ich immer wieder etwas dazugelernt, oder konnte schon bekanntes verbessern. Denn am Ende geht es darum das ich als Marshal in einer Stress Situation weiss was zu tun ist. 

 

Joerg Wenzel – Blog-ender Motorrad Enthusiast – aus München – schreibt http://www.WhyAskWhy.de

Southern 100 – Teil 1

 OK ich bin (schon) wieder auf der Isle of Man. Böse Zungen behaupten ja das es mir einfach viel zu warm in Deutschland ist. Dem muss ich energisch Widersprechen, das sind keine „Böse“ Zungen, nur Leute die mich ganz gut kennen. Aber Spaß beiseite, es war wirklich so Warm in München das meine Frau und ich für ein langes Wochenende in ein nettes Hotel gezogen sind, weil die nämlich eine Klimaanlage haben. Nein ich kaufe mir keine Mini Klimaanlage für 3-5 Tage Hitze, es ist doch viel Angenehmer sich in einem Hotel Bedienen zu lassen, lach. Hat das etwas mit meinem Aufenthalt auf der IoM (Flughafenkürzel für – Isle of Man) zu tun? Nee nicht wirklich. Kurz und knapp es sind die Southern 100. Aber dann wäre dieser Blog Beitrag jetzt schon wieder zu Ende. 

Also erstmal zur Erklärung. Die Isle of Man liegt mitten in der Irischen See und war bis zur “Erfindung” der günstigen Flug-Pauschal-Urlauber “DIE Urlaubsinsel” der Engländer. Einfach mit dem Schiff zu erreichen und durch den Golfstrom auch so klimatisiert das hier sogar an einigen Stellen Palmen wachsen. Nein das hat mit “Global Warming” nix zu tun, ist der Golfstrom. Ein “kleiner” Teil des Golfstroms vor Irland zweigt ab und umspült die Isle of Man. Der ist für das eher gemäßigte Klima hier zuständig. Palmen, Wallabies (kleine Känguruhs), Tropische Pflanzen sind keine Besonderheiten hier.

Aber neben Tourismus sind für uns “Continentals” natürlich die Motorradrennen der “Tourist Trophy” ein Begriff (oder auch nicht). Jedenfalls hat sich die Insel den Titel des “Capitol of Motorsport” gegeben. Hier gibt es nicht nur die “Tourist Trophy” (TT), sondern auch die “Classic TT” (oder auch “Manxx Grand Prix” MGP genannt), die Britischen TRIAL Meisterschaften haben hier einen Event, die Britische Rally Meisterschaft, Dragster-Events auf einer speziellen “Drag Race” Strecke  und unter weiteren Events auch abseits des Motorsports gibt es die “Southern 100” auch die “Friendly Races” genannt.

Diese Woche bin ich hier um meine Freizeit als Ehrenamtlicher “Marshal” hier zu verbringen. Zelten ist wie schon so oft meine bevorzugte Übernachtungsart und wie schon dieses Jahr zur Tourist Trophy bin ich  auf dem “einzigen” Campingplatz der Insel, auf “Silly Moos Campsite”, der einen “Deutschen mit Humor” verkraften kann. Und ich kann mein Zelt IN einer der Scheunen aufschlagen. das hat den Vorteil das bei schlechtem Wetter mein Zeug trocken bleibt und bei Hitze ich nicht im Zelt einfach dahin schmelze. Alles in allem ein sehr guter wenn auch ungewöhnlicher Ort sein Zelt aufzuschlagen.  Na ja und wie das Wetter es heute wieder zeigt, war das genau die RICHTIGE Idee IN der Scheune zu Zelten. Kommt gerade wieder in Bindfäden vom Himmel runter. Ich hab mir gerade die Wetter Radar Vorhersage angesehen, es könnte um 15:00 trocken werden. Vielleicht klappt das ja doch mit im trocken „Marshalling“. Ich werde jetzt mein Mittagessen zubereiten und dann schau ich mal wie ich zur Rennstrecke komme. Vielleicht kann ich ja wie gestern die „Farm Hure“ einen RAV4 verwenden und kann mir die Busfahrt sparen. Der Billown  Course ist von hier ca. 30 KM Entfernt. Mit dem Bus eigentlich kein Problem, man muss nur genügend Zeit mitbringen, es gibt keine direkte Verbindung, muss Umsteigen in Douglas und dann sind noch die Streckensperrungen, im Prinzip muss man hier im 15:00 losfahren um dann um 17:30 am Einsatzort zu sein. Geht mit dem Auto einfach viel Einfacher.

 

Joerg Wenzel – Blog-ender Motorrad Enthusiast – aus München – schreibt http://www.WhyAskWhy.de

 

Getriebe Belehrung

Meine neue R1250 GS ADV macht immer noch Zicken. Also nix wirklich umwerfend schwieriges, sondern eher eine ärgerliche Nuance. Die hat mir allerdings schon ein-, zweimal das Herz in die Hose rutschen lassen. Oder anders ausgedrückt, da ist ein Fehler im Computer-System.

Was ist passiert. 

Der Schaltassistent gibt zu viel Zwischengas beim Runterschalten vom 5. in den 4. Gang. Das ist auf den ersten Blick nichts das einen an den Rand der Verzweiflung treibt, oder das Fahren mit dem Motorrad zur Qual werden lässt. Nein es ist eher eine Sache die ich an einem +20.000 € Motorrad gefixet haben möchte.

Also mal der Reihe nach. Beim Runterschalten von sagen wir mal 100 km/h, zum Beispiel vor einer Kurve passiert folgendes:
– Gas ZU und im Schiebebetrieb
– Tritt auf den Schalthebel um vom 6. Gang in den 5. Gang zu kommen.
– Schaltassistent unterbricht den Kraftfluss der auf dem Getriebe lastet mit einem kurzzeitigem Gas Schub, oder auch Zwischengas genannt.
– 5. Gang rastet ohne Ruckeln ein und das Motorrad verzögert weiter (weil Gas ZU, im Schiebbetrieb)
– Sauberer Übergang von einem in den nächsten Gang.

Jetzt nochmal das ganze weiter in den 4.
– Gas immer noch ZU und immer noch Schiebebetrieb
– Tritt auf den Schalthebel um vom 5. Gang in den 4. Gang zu kommen.
– Schaltassistent unterbricht den Kraftfluss, der auf dem Getriebe lastet mit einem kurzzeitigem Gas Schub, der jetzt allerdings ZUVIEL Drehzahl erzeugt. Weil aber der 4. Gang jetzt schon eingelegt ist, aber die Gasstellung der Drosselklappen zu hoch ist BESCHLEUNIGT das Motorrad kurzzeitig.
– Beifahrerin SCHLÄGT in den Rücken ein, weil die genau wie der Fahrer nicht mit der Beschleunigung gerechnet hat. Oder wenn Solo unterwegs, wildes Bremsen um den notwendigen Verzögerungswert doch noch hinzubekommen um einigermaßen korrekt durch die Kurve zu kommen.
– Drosselklappen gehen wieder zu und 4. Gang ist eingerastet und das Motorrad verzögert weiter. Der Herzschlag wurde um den Faktor 4 beschleunigt. 
Alles weiteren Schaltvorgänge runter sind wieder in Ordnung, sozusachen ein „Träumschen

Ich denke, Honda hatte schon mal ein ähnliches Problem, dabei der Rennfahrer Guy Martin verunglückt und nie wieder auf diesen Typ Maschine aufgestiegen. Ich glaube John McGuinness hatte ein ähnliche Problem mit dem elektrischen Gas. Soweit so gut. Das kann man ja alles ändern, also den Computer tauschen der den Fehler hat, denn eigentlich sollte der bordeigene Rechner die Drehzahl der Getriebewellen, der Kurbelwelle, der Gastellung, Temperatur und so weiter genauestens kennen. Es kommt also nur auf die Programmierung an.

Was allerdings nicht OK ist, fängt damit an, dass mir bei einem der größeren BMW Händler in München ein Meister erzählt, dass dieses Verhalten NORMAL ist und dass man das nicht ändern kann. Mit der Begründung [OT] „die Übersetzung macht zwischen dem 5. und 4. Gang einen zu großen Sprung und deswegen ist das Verhalten normal; ich bin gerade ein anderes Motorrad gefahren, da ist das genauso„. Dieses Geschwalle läßt der Besitzer der defekten 1250er in asiatisch anmutender Ruhe mit einem Lächeln über sich ergehen (klick links auf Weissheiten von Bruce Lee) und denkt sich „What the Fuck, haben die eine VonderLeyen Kopie hier sitzen“ (labert viel und kann nix). Das ist doch ein verfickter Computer, der das alles ausrechnet. Der kennt sogar die Temperatur meines Hosenbodens, wenn er genau hinsieht.

Zuhause habe ich zuerst das Handbuch gewälzt und natürlich die Getriebeabstufung für die R 1250er GS Adventure dort gefunden (immer nach dem Motto „Read the Fucking Manual“ oder als RTFM bekannt). 
2,438 (39:16 Zähne), 1. Gang  2,4375   
1,714 (36:21 Zähne), 2. Gang  1,7143  
1,296 (35:27 Zähne), 3. Gang  1,2962   
1,059 (36:34 Zähne), 4. Gang  1,0588   
0,943 (33:35 Zähne), 5. Gang  0,9428 
0,848 (28:33 Zähne), 6. Gang  0,8484  
Ein bisschen rumgerechnet und egal wie ich es mir ansehe, der Unterschied zwischen den Gängen ist übersetzungstechnisch nicht groß. Immer so UNGEFÄHR 5 % Sprünge (sagt mein Taschenrechner), also rein rechnerisch ist das nix mit der Smoke-Screen Ausrede vom Frankfurter Ring.

Außerdem, wir reden hier über einen Computer, der mehr Rechenleistung als ein Spaceshuttle hat und neben einer Zündungsmatrix auch noch eine variable Nockenwellenverstellung, ein Schräglagen ABS und Schräglagen ASR berechnen kann. Der Bordcomputer kennt die Drehzahl jeder einzelnen Welle bis auf die 1-stelligen Werte. Daher ist es mir völlig unverständlich, dass dieses SCHUB-Verhalten als normal deklariert wird und nicht eine anständig Fehlersuche gemacht wird. Man könnte ja eventuell den Austausch der Recheneinheit in die Planung aufnehmen. Aber nein, da wird dem Kunden ein technischer Smoke-Screen entgegen geblasen und damit hat sich das Problem -zumindest für den Mitarbeiter- aufgelöst, der muss jetzt nix mehr machen. 

Ich muss das für mich allerdings irgendwie geregelt bekommen. Es gibt 2 Möglichkeiten.
A – Das Problem wird irgendwie gefixt, dann ist alles gut (Rückruf, bin ich denn der einzige?).
B – Die Maschine hat ein Problem, das am Ende in einem Unfall enden könnte, dann muss ich den Schaltassistenten ausbauen lassen, wieder manuell schalten. Das heisst aber ich hätte gerne eine anteilige Kaufpreisrückerstattung.
C – Ja, es gibt noch eine C Lösung, die heisst: ein anderes Motorrad kaufen.

Aber Option „C“ ist die letzte Wahl, denn eigentlich gefällt mir die Adventure so wie sie ist. Deswegen habe ich bei meinem Lieblings Händler auf dem Rückweg vom Altmühltal eine Zwischenrast gemacht und den dortigen Meister um eine Probefahrt und eine Bewertung gebeten. Kaum 30 Minuten später kommt er zurück und erklärt, dass er AUCH das Schalt-Beschleunigen hat (puuuuuhh, ist also nicht meine Fahrweise, ich hatte kurz mal drüber nachgedacht) und dass jetzt über eine PUMA Meldung mit BMW über den Austausch des Motorsteuergeräts verhandelt wird. So geht Kundenservice meiner Meinung nach, da wird nicht rumgelabert, es werden keine Anekdoten aus dem Arsch gezogen und als Kunde geht man hier gerne hin, vor allen Dingen kommt man immer wieder zurück.  Selbst wenn BMW sagt „Nö das machen wir nicht“ ist das immer noch besser als die andere Antwort. Man fühlt sich halt einfach als Kunde sachverständig behandelt. WARUM IST DAS NUR SO WEIT NACH UNTERBIERWANG ???

Ja ja ja, die Leute die jetzt sagen, elektrischer Humbug, verwende das nicht, neumodischer Kram usw. Haltet einfach die Klappe, eure Hinterwälder Philosophie könnt ihr euch dahin stecken wo die Sonne seltenst hinkommt. 

Erklärungen : 
PUMA Meldung – Puma-Maßnahmen bezeichnen BMW-interne Verfahrensanweisungen, wie mit bekannten Problemen umzugehen ist.
Schaltassistent Pro – Bitte hier Nachlesen

Joerg Wenzel – Blog-ender Motorrad Enthusiast – aus München – schreibt http://www.WhyAskWhy.de

Warum „Marshal“ auf der IoM

#IoM #TTCourse #TT
TT Course

Ein Kollege vom BVDM (dem Bundesverband der Motorradfahrer) hat mich kürzlich gefragt, warum ich Marshal (Streckenposten mit Sonderrechten) bei der „Tourist Trophy“ auf der „Isle of Man“ mache. Meine normale Antwort ist dazu fast immer: „Weil dann keiner mehr vor mir stehen kann und ich mir meinen Renn-Aussichts-Punkt selber aussuchen kann“.

Das stimmt ja auch zum Teil, aber diese Frage hat mich zum Nachdenken gebracht. Warum also nehme ich mir Urlaub um während der „Tourist Trophy“ als Marshall auf der „Isle of Man“ meinen Urlaub zu verbringen. Hmm, eigentlich aus den oben genannten Gründen, zumindest zum Teil. 

Ja es geht mir extrem auf den Wecker das man bei Rennveranstaltungen eine Eintrittskarte benötigt. Das ist ja kein Zoo, sondern ein Rennen, bei dem sich Rennfahrer Treffen um den besten Fahrer auszufechten. Reden wir mal über Preise, also im Vergleich zu anderen TOP-Rennserien. Die meisten Rennveranstaltungen haben mir schon mit dem Eintrittspreis „das Kraut ausgeschüttet“. Eine 3 Tage Karte z.B. bei dem MotoGP am Sachsenring kostet gleich schlappe 125 Euro, als Stehplatz, für einen Tribünen Platz kommt dann nochmal 100 Euro drauf, also unter 220 Euro ist nix zu machen. 

Ich bin mir sicher das es notwendig ist diese Preise zu verlangen, aber dann kommt noch etwas hinzu, die Entfernung. Also nicht die Fahrentfernung zum Event, das wären zum Sachsenring von hier nur 380 km, nein ich meine die Entfernung zum Renngeschehen. Bei den meisten modernen Rennserien ist der Zuschauer hinter hohen Zäunen und hinter grossen Auslaufzonen auf einer Tribüne. Und dann ist da noch kein Zeltplatz oder andere Übernachtungsmöglichkeit eingeschlossen. Aber ich schweife ein bisschen ab.

#TT2019 #Ramsey
Parliament Square Ramsey, IoM

„Weil keiner mehr vor mir stehen kann“ ist vielleicht der dümmste Grund Marshal zu werden aber auf der anderen Seite hat’s einfach eine GENIALE Aussicht auf das Renngeschehen. Näher geht nicht mehr dran. Da ich aber nicht völlig verblödet bin habe ich mir „Marshal“-Punkte ausgesucht an denen eine eher geringe Unfallgefahr ist. Ramsey Parliament Square, Goosneck, Ramsey Hairpin sind alles Namen die das Herz des interessierten Strassenrennsport-Fans höher schlagen lassen, aber auf der anderen Seite sind diese Punkte auch Bereiche in denen mit relativ geringer Geschwindigkeit durch die 90 bzw. 180 Grad Kurven gefahren wird. Wenn da etwas passiert (wie schon gehabt) sind das alles bisher Unfälle gewesen die mit Lederkombi abklopfen und Maschine aufrichten erledigt sind. 

K-Tree 2018 #TT2018
K-Tree #TT2018

Anders sieht es natürlich auf den Hochgeschwindigkeits-Passagen mit Geschwindigkeiten über 250 km/h aus, aber das Erspare ich mir einfach. Bin ja Marshal und kann mir meinen „Arbeitsplatz“ mehr oder weniger aussuchen. Und ja das ganze ist natürlich gefährlich, wie so vieles im Leben. Tauchen, Fallschirmspringen, Motorradfahren, das Leben  im allgemeinen, aber das ist auch alle ein Teil meines Seins, daß die Nähe zu Motorrädern die an mir Vorbeifahren keine wirkliche Fluchtreaktion auslösen. Ich Denke ich weiss was ich mache, ich glaube die Rennfahrer wissen auch was sie machen und somit kann ich der Veranstaltung ganz Entspannt folgen.

Ramsey Hairpin, Photo copyright by Christine von Manxarts. http://manxarts.com

Gibts noch einen Grund warum ich Marshal bin? Klar noch eine ganze Menge, einer der anderen wichtigen Punkte ist das ich in einer Gemeinschaft Gleichgesinnter bin, wir nennen uns nicht umsonst die „Orange Army“ (nach den Signalwesten). Nicht zu verwechseln mit den „Gelb-Kutten“ und den „Bob der Baumeister Westen“. Es werden für jede Veranstaltung ca. 550 Personen benötigt um die Rennstrecke Renntauglich zu machen. Da müssen Strassen gesperrt werden, Flaggen Posten stehen und Radio Operator tätig sein, Medizinische Ersthelfer und Doktoren vor Ort bereitstehen, Anzeigetafel Bediener und viele andere Tätigkeitsbereiche müssen abgedeckt werden, damit so ein Renntag stattfinden kann. Es ist ja nicht damit getan der jemand 25 Runden um einen abgesperrten 4 km langen Rundkurs fährt. Das ist Strassenrennen, durch Dörfer, über Berge und Landschaft. Eine Runde ist über 60 km lang (60,725 km) mit mehr als 200 Kurven. Das bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 200 km/h, im Vergleich dazu sind MotoGP Maschinen echt langsam mit ihrem ca. 160 km/h Durchschnitt. (Informationen dazu aus Wikipedia)

Ramsey Hairpin Crew
Die Crew vom Ramsey Hairpin, Photo copyright by Christine von Manxarts. http://manxarts.com

Ach so ja das Gemeinschaftgefühl als Marshal ist ein ganz wichtiger Punkt warum ich überhaupt dort mit mache. Natürlich ist es wichtig das Rennen korrekt ablaufen zu lassen, da sind auch alle Marshals Top dabei, viele haben freiwillig eine Weiterbildung gemacht um als „IMC“ (Incident Management Course) geschulter Marshal dort im Falle eines Falles genau zu Wissen was gemacht werden muss. Aber am Ende kommt auch noch der Spass zwischen den Rennabschnitten nicht zu kurz. Weil man seinen Posten währen der Streckensperrung nicht verlassen kann, es gibt dort meistens auch etwas zu Trinken (Bleifrei na klar) es wird manchmal gekocht, Kuchen wird fast immer mitgebracht und unter den Kollegen verteilt, alles in allem schon eine leichte Volksfest Stimmung. Wieviel mehr Spass kann man denn beim Motorradrennen noch haben. Ja ich weiss das mit dem Spass ist alles im Auge des Betrachters, aber für mich persönlich und viele anderen „Marshal’s“ ist diese Tätigkeit es das schönste was man am Renntag machen kann. Das macht die ganze Sache aus so Stimmungsvoll, ach ja UND weil man auf der „Isle of Man“ ist, dem „World Capitol of Street Racing“ mit einer Aussicht zum Umfallen. 

#IoM #TT2018 Goosneck Panorama

Hier noch ein kleines Video bei Youtube gespeichert.

Interesse geweckt, dann schau doch mal bei der „Isle of Man Tourist Trophy Marshals Organisation“ rein (IoMTTMA). Die freuen wirklich wenn sie neue Marshals anwerben können.  Das ist ein EHRENAMT, also keine Bezahlung oder ähnliches.  Bei Fragen einfach ein Mail schicken und ich bemühe mich das Zeitnahe zu Beantworten. Ach so als Schlusswort, meine Fähre für 2020 ist schon gebucht.

Einige Photos sind von Christine bei ManxArts, geniale Photografin, schau mal auf Ihre WEB-Seite

Joerg Wenzel – Blog-ender Motorrad Enthusiast – aus München – schreibt http://www.WhyAskWhy.de